Leitfaden für die Jungbläserausbildung

Jungbläserausbildung

Auszug aus der Satzung des Posaunenchors Kohlberg-Kappishäusern vom 24.04.1989

„… § 2 Selbstverständnis, Zweck und Ziele des Posaunenchors


1. Grundlage der Arbeit des Chors ist:

Der Posaunenchor bekennt sich zu dem Herrn Jesus Christus als Gottes Sohn und Heiland der Welt und hält die Bibel als Gottes Wort für die alleinige Grundlage des Lebens.


2. Der Posaunenchor versteht sich als:

a) christliche Bläsergemeinschaft unter Gottes Wort und Gebet
b) Musikalische Dienstgemeinschaft mit gutem Musizieren (…) als Lob Gottes und Evangeliumsverkündigung (…)
c) Lebensgemeinschaft, in der auch am persönlichen Ergehen der Mitglieder Anteil genommen wird (…)
d) Zeugnisgemeinschaft für den Herrn Jesus Christus, was in der Musik des Posaunenchors und im leben seiner Chormitglieder zum Ausdruck kommen soll (…)


§ 3 Maßnahmen zur Erreichung der Chorziele (…)
(…) c) Beschäftigung mit dem Wort Gottes (…)
d) Intensive Beschäftigung mit Musik insbesondere durch ordentliche Ausbildung der Bläser und Leiter…“


Im Folgenden möchten wir – was die Ausbildung der Jungbläser anbelangt – die Durchführung und Umsetzung der in unserer Satzung dargelegten Grundlagen und Ziele ausführen und konkretisieren. Den Jungbläsern und uns als Verantwortlichen sollen hiermit leitlinien für ihre Ausbildung an die hand gegeben werden – Leitlinien diesbezüglich, was wir als Ausbilder von ihnen erwarten und – umgekehrt – was die Jungbläser als Auszubildende von uns erwarten können.
(Die nachfolgend ausschließlich verwendete männliche Form der Anrede schließt die weibliche ausdrücklich mit ein.)


AUSRÜSTUNG

Die zur Ausbildung benötigten Materialen gliedern sich in einen Choranteil (wird vom Chor für die Dauer der Ausbildung kostenlos zur Verfügung gestellt)
Und einen Eigenanteil (verbundene Kosten sind vom Auszubildenden selbst zu tragen) wie folgt:
Choranteil:
- Instrument
- Noten: - „2, 3, 4-Jungbläserschule“
- „2,3,4-Spielheft“

Schon im Interesse nachfolgender Jungbläsergenerationen bitten wir um den angemessenen sorgfältigen Umgang mit den zur Verfügung gestellten Materialien.
Das Instrument kann auch über die Ausbildungszeit hinaus, gewissermaßen las Dauerleihgabe des Chores, genutzt werden. Langfristig empfehlen wir jedoch jedem Bläser – nach Abwägung der relevanten Argumente – die eigene Anschaffung eines neuen hochwertigen Instrumentes. Auch hier zeigt die Erfahrung, dass das Spielerleben mit einem hochwertigen Neuinstrument die ohne Zweifel hohen Anschaffungskosten im Sinne einer preis-werten Investition doch rechtfertigen kann.

Eigenanteil: - Notenständer
- evtl. Instrumenten-Pflegemittel
- Lern- und Arbeitsheft „Musiktheorie“, Bände 1, 2, 3
- Noten (für das Spielen im Gesamtchor): - „Posaunenchoralbuch“
- „Posaunenklänge“


ZEITRAUM und GLIEDERUNG der Ausbildung

Für die Jungbläserausbildung, also die Zeit vom ersten Ton auf dem Instrument bis zum dauerhaften mitspielen im Gesamtchor, wird ein Zeitraum von ungefähr zwei Jahren angestrebt. Erfahrungsgemäß kann diese Zeitspanne abhängig von der persönlichen Motivation des Bläsers zum Teil erheblich variieren.
Die Wahl des Instrumentes steht dem Auszubildenden grundsätzlich frei. Im Interesse des Posaunenchores und damit letztlich aller Bläser versuchen wir jedoch bei dieser Entscheidung, den aktuellen Bedarf benötigter Instrumente und die persönlichen Wünsche des Auszubildenden zu berücksichtigen.
Hat sich der Auszubildende für ein Instrument entschieden, so bitten wir möglichst zu Beginn des Unterrichts zu einem gemeinsamen Termin im Musikhaus beck, Dettingen, um dort eine optimale Mundstückversorgung für das weitere Spielen zu erreichen.
Die Ausbildung selbst umfasst Einzelunterricht, sofern möglich den gemeinsamen Unterricht mit anderen Jungbläsern in der Gruppe und das selbständige üben.
Einzelunterricht…legt den Schwerpunkt auf das Erlernen und Anwenden theoretischer Kenntnisse sowie das Einüben technischer Fertigkeiten beim Spielen des Instrumentes. Dass der Ausbildende hierbei konzentriert auf die individuellen Erfordernisse des Auszubildenden eingehen kann, ist die unbestreitbare Stärke des Einzelunterrichts.
Unsererseits sind wir bestrebt, diesen Grundpfeiler der Ausbildung professionell, d.h. durch ausgebildete und geprüfte Musikpädagogen durchzuführen. Das bedeutet konkret: der Chor initiiert und koordiniert den Kontakt mit einem entsprechenden Anbieter; der Unterricht und alles weitere wird vom Auszubildenden jedoch als eigenständiger Privatnutzer wahrgenommen. Inhalte, Gliederung und dergleichen sind dementsprechend vom jeweiligen Ausbilder abhängig.
Mit dem Ausschuss-Beschluss vom 12.03.2004 übernimmt der Posaunenchor Kohlberg-Kappishäusern ein Drittel der bei Inanspruchnahme professioneller Ausbildung entstehenden Kosten.
Sollte aus verschiedenen Gründen dieser Weg nicht beschritten werden können, sind wir bemüht, eine möglichst gute Grundausbildung durch aktive Chormitglieder oder andere aktiv Musiktreibende sicherzustellen.
In diesem Falle bieten wir wöchentlichen Einzelunterricht von 30 bzw. besser 45 Minuten Dauer an. Der Schwerpunkt hierbei liegt mit einem Verhältnis von ca. 1/4 (Musiktheorie) zu 3/4 (Spieltechnik) auf dem Training praktischer Spielfertigkeit.


Gruppenunterricht/Jungbläserchor

Uns ist nicht daran gelegen, (Profi)Solisten auszubilden, vielmehr möchten wir erreichen, dass (junge) Menschen ihr Gabe wahrnehmen, entwickeln und sich mit dieser – auch den anderen gegenüber – angemessen in eine Gemeinschaft einbringen können.
In diesem Sinne legt der Jungbläserchor den Schwerpunkt auf das gemeinsame Spielerleben als Gruppe und das Einfügen in eine größere Einheit mit Rücksichtnahme auf den anderen mit seinen Stärken und Schwächen. Der Beginn bzw. die Teilnahme am Jungbläserchor ist bei durchschnittlicher Motivation nach ungefähr einem halben Jahr ab Ausbildungsbeginn sinnvoll.
Vorzugsweise bieten wir diesen in Absprache mit den Teilnehmern als Doppelstunde (90 Minuten) in einem 14tägigen Turnus jeweils im Gemeindehaus Kohlberg oder Kappishäusern an.


Selbständiges üben

Hierzu gibt es nicht allzu viel zu erläutern. Ohne das geht’s nicht. Und der Aufwand wird sich bei entsprechender Motivation vielleicht nicht linear, aber doch deutlich im Ergebnis widerspiegeln. Konkret erwarten wir hierfür keine Nachtschichten oder die Aufgabe lieb gewonnener Hobbys.
Erfahrungsgemäß ist es nicht nur der professionelle Musikunterricht oder das neue Instrument sondern schlicht und einfach die tägliche halbe Stunde üben (oder besser 2 x 15 Minuten), die einen Fortschritt am deutlichsten spüren lässt.
Wir als Chor bemühen uns in dieser Hinsicht, dieses (leidige) Thema vielleicht nicht zu einem Genuss aber zumindest zu einem lohnenswerten ‚kleineren’ übel zu machen. Eintritt in den großen Chor

Wir freuen uns, wenn wir die (Ex-)Jungbläser nach Abschluss der Ausbildung im großen Chor begrüßen dürfen. Maßgebend hierfür ist jedoch nicht die benötigte Zeit, sondern der aktuelle Stand musikalischer Kenntnisse und Fertigkeiten. Dies bedeutet. Den Eintritt in den großen Chor halten wir erst dann für sinnvoll, wenn der betreffende Jungbläser grobe Fertigkeiten auf folgenden Gebieten beherrscht:
- Atemtechnik
- Ansatztechnik (v.a. Halten des Ansatzes für mind. 45 Minuten Dauer in mittelhoher Lage)
- Artikulation (Spieltechnik)
- Agogik und Dynamik (Spieltempo und –ausdruck)
- Rhythmuskunde
- Ton-/Harmonielehre (v.a. Sicherheit in den gängigen Tonarten)
- Musiktheorie
- Instrumentenkunde

Die Entscheidung hierüber fällt in gemeinsamer übereinkunft des Auszubildenden, evtl. der Eltern mit dem zuständigen Ausbilder und dem musikalischen Leiter des Posaunenchores. Als Zeichen der Integration in den Posaunenchor erhalten die Jungbläser die Jungbläser-Urkunde des Posaunenreferats des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg.


VERANSTALTUNGEN

Bereits mit Beginn der Ausbildung sind die Jungbläser als vollwertige Mitglieder zu den Veranstaltungen des Posaunenchores herzlich eingeladen, wobei sie sich zunehmend im Rahmen ihrer Fähigkeiten und Möglichkeiten (z.B. als Jungbläserchor) u.a. auch musikalisch einbringen können und sollen.
Darüber hinaus bietet der Bläserbezirk Nürtingen im Herbst eines jeden Jahres eine Jungbläserfreizeit für fortgeschrittene Jungbläser an. Diese beinhaltet mit der Erarbeitung eines musikalischen Repertoires gleichzeitig viel Spaß und auch eine tolle Gemeinschaft mit anderen Jungbläsern.
Im Rahmen unserer Möglichkeiten vor Ort versuchen wir, im Verlauf der Ausbildungszeit ein gemeinsames Jungbläserwochenende und weitere Freizeitaktivitäten mit der Gruppe zu unternehmen.
„Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja!“ (Psalm 150, 6)
Wenn dieser Leitfaden dazu beiträgt, dass Jungbläsern und Ausbildern gleichermaßen nicht buchstäblich die Luft ausgeht, sondern dass sie dieser Posaunenchor-Losung gerecht werden können – dann umso mehr ein
„Halleluja! – Preiset den Herrn!“


Kohlberg/Kappishäusern, 01.09.2004 gez. Simon Leins (für den Ausschuss )